Vor fast 2 Jahren haben wir in der Schule in Deutsch die Aufgabe bekommen, eine Selbstwahrnehmung über uns zu schreiben. Übereifrig und perfektionistisch wie ich manchmal bin, habe ich mir das sehr zu Herzen genommen und vorher recherchiert, wie genau man an so etwas herangeht, worauf man achten soll etc. Ich hab mich aber dann doch nicht wirklich an diese Tips gehalten und einfach drauf los geschrieben. Aus Erfahrung weiß ich, dass dann die besten Texte entstehen.

Das Endergebnis waren fünfeinhalb Seiten eng beschriebenes Papier und alle möglichen Blicke seitens meiner Mitschüler und der Deutschprofessorin. 

selbstwahrnehmungen

21.3.2013

Selbstwahrnehmung

Ich habe lange nach mir selbst gesucht. Eigentlich tue ich das immer noch.
Ich habe mich jetzt schon öfter mit der indischen Denkweise beschäftigt und ich glaube, das trifft auch ein bisschen auf mich zu. Zumindest meiner Meinung nach. Ich habe mich verändert über die letzten Jahre – sehr.
Ich meine, man verändert sich immer – jeden Tag, das ganze Leben.
Früher war ich sehr unsicher und schüchtern – heute gehe ich etwas mehr aus mir heraus. Ich bin immer noch kein Mensch, der vor Selbstbewusstsein strahlt. Aber es ist mir nicht wichtig, dass ich von allen gemocht werde – das passiert manchmal, oft, wenn man so rüberkommt, als ob wenn … ich kann es nicht beschreiben. Mir fehlen die Worte. Das ist eigentlich ungewöhnlich. Ich schreibe sehr gerne und laut einigen meiner Freunde und Bekannten schreibe ich sehr gut. Sie sagen manchmal, es ist wie eine Art Magie. Mir gefällt das.
ich bin nicht so der Jäger nach Lob, aber ich glaube, Schreiben ist eines meiner Talente. Und wenn das jemand anerkennt und mir ein Gefühl von „Du kannst das richtig gut, mir gefällt das.“ vermittelt – das freut mich.
Es mag manchmal so scheinen, dass ich genau weiß, was ich möchte. Aber eigentlich stimmt das nicht.
Meiner Meinung nach entspreche ich genau dem Klischee von einem Teenager.
Ich weiß nicht, was ich will. Mein Leben ist ein Chaos. Ich Es gibt ein riesiges Drama in meiner Familie und ich stehe zwischen den Fronten. Manchmal treibt mich das an den Rand eines riesigen Wutausbruchs.
Ich versuche, meine Emotionen im Griff zu haben. Sie unter Kontrolle zu halten. Aber das ist schwer. Manchmal sitze ich auf dem Bodern vor meinem Bett und habe so schlimmes Kopfweh – es fühlt sich so an als würden tausende Gedanken in meinem Kopf schreien. Ich habe das noch nie jemandem erzählt. Ich weiß nicht, wieso, aber es ist schwer. Oft sage ich mir, „vertrau dich jemandem an“ aber dann kann ich es nicht. Ich kann es einfach nicht.
Ich versuche immer, anderen zu helfen. Von Zeit zu Zeit vernachlässige ich mich selbst dabei – Die Anderen stehen an erster Stelle. Soziale Kontakte – meine Freunde – sind mir sehr wichtig. Ich habe nicht viele Freunde, aber einige sehr gute. Wir haben manchmal untereinander Krach, aber das ist nur vorübergehend.
Ich glaube, die Anderen sehen mich manchmal als eine Art Aussenseiter. Und manchmal fühle ich mich auch so. Ich kann dieses Gefühl schwer beschreiben, aber ab und zu verläuft mein Leben einfach nicht richtig. Dann fühle ich mich fehl am Platz.
Manchmal versuche ich, mir selbst einzureden, dass mein Leben gar nicht so schlecht ist. Das tue ich in Momenten der Schwäche – wenn ich total am Boden bin und alles im Chaos zu versinken droht. Ein paar Mal hätte ich mir schon selbst geglaubt. Aber was würde es nützen? Das Leben wäre nicht besser. Ich fühle mich genauso wie vorher.
Ich möchte aber dazugehören. Insgeheim würde ich gerne auf Parties eingeladen sein und mehr Abenteuer in mein Leben bringen.
Ich gehe selten aus. Eigentlich würde ich das öfter machen. Als Teenager gehört auch „über die Stränge schlagen“ dazu und Grenzen austesten. Der Reiz des Illegalen ist für fast jeden etwas Aufregendes.
Bin ich überhaupt ein Teenager? Ich bin jetzt 18. Bin ich erwachsen? Ich fühle mich noch als Kind. Wer bin ich? Diese Frage kann ich nicht beantworten – nicht vollständig.
Ich bin ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ihn allzu bald finden werde, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Hoffentlich. Wenn ich sie nicht mit meiner Faulheit und Unordentlichkeit ersticke. Das ist ein Manko, das in den letzten beiden Jahren extrem angewachsen ist. Ich versuche das zu ändern; ich glaube, ich bin ein bisschen ehrgeizig, aber so ganz gelingt mir das nicht.
Ich kann mich einfach auf manche Dinge nicht konzentrieren. Und dann interessiert es mich einfach nicht mehr.
Eine Sache, die hier definitiv nicht dazu zählt ist meine Körperpflege und mein Aussehen. Was das betrifft bin ich relativ oberflächlich. Ich ziehe an, was mir gefällt, aber ich gehe mit der Mode. Und ich will gleichzeitig aber nicht so aussehen, wie alle anderen.
Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum ich mir seit Jahren die Haare rot färbe. Eine Art Rebellion gegen den Mainstream.
Ich fühle mich wohl in meiner Haut – aber dazu braucht es viel Pflege – Peeling, ein Kakaobutterbad, eine Gesichtsmaske. Danach fühle ich mich „rein“ und das trägt sehr zu meinem Selbstvertrauen bei. 

Ich habe mir den schönsten Aspekt bis zum Schluss aufgehoben: Die Sache mit der Liebe.
Ich habe noch nie geliebt, aber ich stelle mir das Gefühl unglaublich schön vor, jemanden zu haben, der einen liebt und den man auch liebt.
Ich hatte noch nie viel Kontakt zum anderen Geschlecht – wie das klingt. Durch die Tanzschule habe ich ein bisschen mehr mit Jungs unternommen und wurde auch offener für sie. Ich glaube, ich bin spontan, was dieses Thema anbelangt.
Doch das Glück war mir nie wohl gesonnen bis jetzt. Ich habe einige Enttäuschungen erlebt. Im Nachhinein kann man daraus lernen, aber für den Moment könnte die Welt untergehen. Ich war schon einige Male verliebt. Für mich besteht ein Unterschied zwischen Verliebt-sein und Lieben.
Back to topic: Jedes Mal hat es nicht funktioniert – es lief nicht so, wie ich es mir erträumt hatte. Manchmal glaube ich, ich stehe immer auf die falsche Sorte Jungs: mehr die Bad Boys.
Erst diese Woche hatte ich wieder ein kleines „Abenteuer“. Ich meine nicht das körperliche Vergnügen – hier kann ich nicht aus viel Erfahrung sprechen. Meinen ersten und einzigen Kuss bekam ich letzten Sommer beim Flaschendrehen.Und eigentlich war es nicht einmal ein richtiger Kuss – zumindest sehe ich das so. Und das war’s mit meiner Erfahrung.
Mein „Abenteuer“ ist mehr in der Art; neue Freundschaften knüpfen. Ich war bei einem Freund und wir haben „gechillt“ – wir hatten Spaß, einen lustigen Abend.
Meine Freundinnen interpretieren da sehr viel mehr hinein, als wirklich da ist. Ich weiß nicht, ob sie Recht haben. Bin ich verliebt in ihn? Erst im Januar, am Schulball habe ich mich von einem guten Kumpel trösten lassen, weil ich von Jemandem enttäuscht und verlassen wurde. Sitzen gelassen, nicht beachtet.
Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich Angst vor Nähe. Also Nähe zu Jungs. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber es ist einfach so, dass ich sehr schnell nervös werde – auch wenn ich nur Freundschaft empfinde.
Ich würde gerne wissen, wie Jungs von mir denken. Also die, die ich kenne und zu meinen Freunden zähle. Sehen sie mich als Mädchen oder als Kumpel? Kann man mit mir Spaß haben?
Ich glaube die 2. Frage würde ich mit Ja beantworten. In mir spüre ich die Lebensfreude. Ich genieße es und tue, was mir gefällt. Ich probiere neue Dinge aus, ich mache keine halben Sachen.
Ich kann durchaus behaupten, dass ich im Moment glücklich bin.
Seit sechs Tagen lebe ich im Einklang mit meiner Familie. Es gab keinen Streit. Natürlich wird es wieder dazu kommen, das weiß ich. Aber jetzt lasse ich die Harmonie auf mich wirken.
Auch mit meinen Freunden läuft es super. Da habe ich selten Probleme.
Das einzige, was mir manchmal fehlt, ist eben die Liebe. Ich kann nicht wirklich sagen, dass sie mir fehlt, weil ich nicht weiß, wie sie sich anfühlt. Jeder empfindet das anders. Aber ich wünsche mir, dass auch das noch mein Leben bereichern wird.
Wie schon gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 

Silvia

Heute denke ich mir an manchen Stellen „was und wieso hast du das geschrieben?“ Aber es war damals halt das, was ich dachte. 

Und dann denke ich mir, dass das richtige Chaos erst danach anfing. Dazu vielleicht ein andermal mehr.
Ich hatte diese Selbstwahrnehmung kurz nachdem ich sie abgegeben hatte schon wieder vergessen. Umso überraschter war ich, als 2 Monate danach meine Professorin uns die Texte wieder zurückgab. Ich glaube, sie hat mich damals gelobt. Ihren Kommentar fand ich so lieb, deswegen hier noch ein paar Zeilen von ihr, die ich mir immer wieder gern durchlese.

Wien, im Mai 2013
Liebe Silvia, danke, dass ich am Ende unseres gemeinsamen Schulweges (8 Jahre!!!) noch einmal so einen schönen + bewegenden Text von dir lesen durfte. Du hast ein besonderes Talent zum Schreiben und solltest es weiterhin pflegen! Und ich wünsche dir auch, dass du den wachen und offenen Blick auf die Welt + dich selbst immer behalten mögest! Alles Liebe und Gute – und die Begegnung mit das ganz großen Liebe, die ja schon auf dich wartet und dich überfallen wird, wenn’s Zeit ist, wünscht dir     GG

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Ein Kommentar zu „Wer bin ich? Teil 1/2 (reupload)

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