Wer bin ich? Teil 2/2 (reupload)

Vor einem Monat habe ich euch etwas sehr persönliches zum Lesen gegeben: Meine Selbstwahrnehmung, die ich vor 2 Jahren geschrieben hatte, im Zuge des Deutsch-Unterrichts.
Hier folgt Teil 2. Ich bin älter, nicht unbedingt klüger, aber habe doch einiges mehr erlebt und erfahren und mein Ich hat sich etwas verändert.
Kleiner Tipp: Nehmt euch einen Kaffee oder Tee oder so, es wird ein langer Text 🙂

selbstwahrnehmungen

Der Mensch ist sein ganzes Leben lang auf der Suche nach sich selbst. Jeder sucht woanders. Viele finden sich, oder einen Teil von sich, auf der Suche nach Gott. Viele verziehen sich in die Spiritualität. Viele streben nach Perfektion, einem Idealbild in ihrem Kopf, wahrscheinlich größtenteils beeinflusst von unserer oberflächlichen Gesellschaft. Viele stürzen sich in die Arbeit. Viele vernachlässigen sich, um anderen zu helfen. Viele gehen an ihre körperlichen und geistigen Grenzen. Viele verlaufen sich in der Idee, dass man mit der großen Liebe sich selbst findet. Viele verziehen sich in sich selbst, schotten sich ab von der Welt. Viele suchen auf den Pfaden des Glücks und der Zufriedenheit. Viele suchen sich, indem sie jede Minute des Lebens auskosten und vollends genießen.
Einige sind sich ihrer Suche nach sich selbst vielleicht gar nicht so bewusst wie manch andere. Und die meisten werden nicht wissen, wo sie anfangen sollen zu suchen.
Es gibt keinen speziellen Ort. Ich kann nicht auf der Landkarte nach mir suchen. Der beste mögliche Anfang seiner Suche nach sich selbst ist es, sich über sich Gedanken zu machen.
Wer bin ich? Was ist um mich herum? Wer sind die Menschen, die ich liebe? Wer diejenigen, die ich nicht mag? Welche Rollen spiele ich im Leben anderer? Was kann ich? Wo liegen meine Fähigkeiten und Talente? Was tue ich? Was ist mir wichtig? Welche sind meine Überzeugungen, woran glaube ich? Nach welchen Regeln spiele ich? Was will ich?
Stell dir selbst Fragen, setz dich mit einem heißen Tee in deinen Kuschelsessel, schließ die Augen und denk 20 Minuten über all diese Fragen nach, und über mehr. Konzentriere dich nur auf dich. Welche Bilder kommen auf? Welche Emotionen verspürst du? Auf welchen verschlungenen Wegen wandern deine Gedanken? Was flüstern die Stimmen in deinem Kopf?

Ich bin Silvia, 20 Jahre alt und Babysitterin, und die Stimmen in meinem Kopf schreien mich in einer Minute an, in der nächsten sagt keine auch nur ein Wort.
Ich bin die ultimative Verdeutlichung dessen, was man „auf der Suche nach sich selbst“ nennt. Und ich habe nicht ansatzweise gefunden, was die unterdrückte Perfektionistin in mir sucht.
Ich glaube keinem ein Wort, der sagt, er hätte sich selbst zur Gänze gefunden. Ich kann nicht wissen, ob es so ist, aber solange ich es nicht selbst erfahre, kann ich es mir einfach nicht vorstellen.
Ich weiß auch wirklich nicht, ob es überhaupt möglich ist, sich zu kennen. Also komplett, jede Eigenschaft und jeden winzigen Aspekt. Die Vorstellung, alles über sich zu wissen, ist… beängstigend.
Das Leben verändert sich. Ständig. Wir verändern uns. Es kommen neue Dinge auf, die wichtig sind und andere unserer Eigenschaften verschwinden und werden weniger interessant.
Die Leute sagen mir oft, dass ich hilfsbereit bin. Für andere da bin, wann immer sie mich brauchen. Ich bin gern diejenige, mit der man über alles reden kann und die man nachts um drei anruft, um sich auszuheulen. Ich kümmere mich gerne um meine Liebsten. Mein Freund hat mir gesagt, er mag an mir sehr meine Art, wie ich mich um ihn sorge und dass ich ihm so ein Gefühl von Geliebt werden und Geborgenheit gebe. Ich würde mich als liebevoll bezeichnen. Und als Softie.
Früher (also ja; früher vor 5 Jahren) war ich sehr unsicher und schüchtern, hatte quasi kein Selbstbewusstsein. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, einen Typ anzuquatschen. Oder irgendwas zu tun, womit die Aufmerksamkeit der anderen auf mich gezogen würde. Ich meine: Als ob es heute anders wäre. Aber ich glaube, damals was diese zurückhaltende Art von mir noch ausgeprägter. heute habe ich keine Angst mehr davor, zum Beispiel im Club zu tanzen, oder mit Leuten zu reden, die ich nicht kenne. Ich brauche Mut dazu und muss mich jedes Mal dazu überwinden, aber danach habe ich immer ein gutes Gefühl.
Insgeheim bin ich vielleicht doch ein bisschen die oberflächliche Tussi, die von allen gemocht werden will. Ich wahre nach außen hin den Schein, dass es mir egal ist, und sehr oft vergesse ich auch, was ich zu verbergen versuche. Doch hinter der Fassade suche ich genauso nach Bestätigung und Akzeptanz und möchte gut ankommen.
Ich liebe meine Familie. Das Verhältnis zu meinen Eltern ist besser denn je und wir verstehen uns toll. Genauso mein Bruder. Er ist/war ein noch größeres Sorgenkind als ich, aber mit der Zeit haben wir beide unser sehr chaotisches Leben einigermaßen in den Griff bekommen. Er ist jetzt beim Bundesheer und ich glaube, es gefällt ihm recht gut dort. So gut einem Herumkommandiert werden eben gefallen kann.

Seit ich im Oktober 2013 die Matura nach meinem 2. Anlauf nun doch gemeistert habe, versinke ich im Chaos und weiß nicht, was mich retten kann. Ich verfechte den Standpunkt, dass man im Leben nichts verheimlichen soll, weswegen ich guten Gewissens meine Geschichte erzählen kann, obwohl ich absolut nicht stolz darauf bin. Man erlebt immer wieder Dinge, auf die man nicht stolz ist und ich kann sagen: Auf diese Entscheidungen bin ich es nicht. Ich bin nicht gänzlich unglücklich damit, denn ich habe aus der Erfahrung gelernt und würde es jetzt vielleicht anders machen.
Ich hatte mit zarten 14 Jahren eine komplett andere Vorstellung vom Leben, als ich sie jetzt habe. Damals wollte ich mir mein Wunschdenken verwirklichen, Autorin zu werden, aber dieser Traum ist nach einem halben Semester auf der Uni geplatzt und ich war enttäuscht mit meiner Entscheidung., die ich mit 14 getroffen hatte: Auf die Universität gehen. Das wollte ich. Meine Mutter hat mir damals gesagt, ich solle vielleicht lieber eine Ausbildung machen, aber ich wollte mein eigenes Ding durchziehen. Das will ich immer.
Ich habe also 1 Semester Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert und es hat mir nicht gefallen. Ich wollte schreiben, ich will es noch. Autorin war seit je her mein Traumberuf. Publizistik war leider nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte und konnte meinen Traum nicht verwirklichen.
Ich habe versucht, meine Situation mit einem anderen Fach zu retten und habe mich für Englisch eingeschrieben. Das normale Bachelor-Studium und nicht auf Lehramt, weil ich nicht wusste, welches Fach ich noch machen könnte. Ich habe das vollkommen planlos gemacht und es war echt dumm von mir.
Ich hatte nicht das Gefühl, das Richtige zu tun und suchte weiter nach einer Ausbildung, die zu mir passt. Ich dachte, Psychologie könnte mir gefallen und versuchte mich an dem Aufnahmetest. Ich denke immer noch, dass mir das gefallen könnte, aber ich habe die Prüfung nicht bestanden.
Also noch ein Semester Englisch und währenddessen habe ich schon wieder neue Pläne geschmiedet. Ich habe dann kurzerhand mein Leben (mal wieder) umgekrempelt und mich wieder meinem „was ich als kleines Kind werden wollte-Wunschberuf“ zugewandt.
Auf den Brief von dem Kindergartenpädagogik-Kolleg habe ich sehnsüchtig gewartet und ich war so froh und glücklich, als ich eine positive Rückmeldung erhielt.
Ich hoffe, diese 2 Jahre voller Chaos, die ich nun endlich hinter mir gelassen zu haben scheine, zu beenden. Ich weiß, dass es besser wird, weil es nur besser werden kann. Anfang 2015 sagte ich mir: Das wird mein Jahr. Und ich glaube, ich hatte Recht. So motiviert und voll Vorfreude auf die Schule war ich noch nie. Ich kann es kaum erwarten. Aber ich schweife zu sehr vom Thema ab. Das ist eine Selbstwahrnehmung und es geht nicht nur um meine schulischen Glanzleistungen.

Etwas, das ich besonders an mir zu schätzen weiß (und das kommt sehr zu Gunsten der Bakip-Ausbildung), ist meine Kreativität. Sei es meine künstlerische Ader was das Zeichnen oder Basteln anbelangt oder die Musik, in die ich mich schon als kleines Mädchen verliebt habe. Seit ich acht Jahre alt bin, spiele ich Klavier und ich liebe es. Wie man den Stücken seine ganz persönliche Note hinzufügen kann… Ich spiele gern Balladen und träume dann von einem Sommertag und einem Spaziergang mit meinem Schatz.
Vor ein paar Jahren habe ich mich sogar als Singer/Songwriter versucht. Ich habe sieben Lieder geschrieben, die  Texte habe ich sogar noch. Sie drehen sich um Liebe und Freundschaft und die schönen Dinge der Welt. Dazu habe ich mich am Klavier begleitet. Es waren einfache Melodien, sehr träumerisch und schön zu singen.
Ein weiteres Talent, das meiner Kreativität entsprungen ist, sind meine Geschichten, die ich zu erzählen liebe. Seit ich einen Stift halten konnte (und sinnvolle Sätze damit schreiben konnte), habe ich Welten erfunden, und fantastische Wesen, und habe ihnen Leben eingehaucht. Ich verpasste ihnen einen Hintergrund und umwob sie mit einer Geschichte.
Die erste Geschichte, die ich schrieb, handelte von einer Tanne und einer Fichte, die beste Freunde sind und auf einmal getrennt werden. Damals war ich in der Volksschule. Mein Vater findet die Story legendär und erzählt sie jedem, der sie noch nicht kennt.
Ich begann, ein Buch zu schreiben, mittlerweile sind es mehrere halbfertige Manuskripte, die darauf warten, beendet zu werden.
Irgendwann entdeckte ich das Bloggen und ich habe mich sofort verliebt. Ich kann meine Gedanken an die Welt weitergeben, auch wenn nur drei Leute den Blog lesen. Das Schreiben über mich selbst und auch das Erfinden von Geschichten, die alle meine persönliche Handschrift tragen, ist ein Teil meiner Suche nach mir selbst.
Die Dinge, die ich nicht aufschreibe, vergesse ich und ich möchte nichts vergessen. Ich möchte mich in 20 Jahren an meine Jugend erinnern und an all die Gefühle und Gedanken, die ich genau jetzt habe.
Deswegen schreibe ich ein Tagebuch. Entschlossen dazu habe ich mich kurz nach meinem 18. Geburtstag. Da geschahen so einige Dinge, die komplett neu für mich waren und das musste ich alles verarbeiten.
Ich hatte meinen ersten Freund; eine spätpubertäre Phase. Eine etwas unschöne Trennung und ich bin, ohne ihn zu suchen, auf den besten Menschen der Welt getroffen. Ich liebe ihn heute noch viel mehr, als damals und jeder Tag mit ihm ist ein Geschenk. Ich hätte es wirklich nicht besser treffen können. Er unterstützt mich, er sorgt und kümmert sich um mich. Er akzeptiert mich, mit all meinen Fehlern und er gibt mir ein Gefühl von Zuhause und Geborgenheit. Wo er ist, fühle ich mich wohl. Es gibt nichts schöneres, als die Liebe gefunden zu haben. Wenn dich jemand ansieht und du in seinem Blick siehst, wie sehr er dich mag. Und wie wichtig du ihm bist.
Vor 2 Jahren habe ich mich so sehr danach gesehnt und das Gefühl ist tausendmal besser als in meiner Vorstellung.  Seit eineinhalb Jahren begleitet er mich und jeden Tag bin ich noch verliebter in ihn.
Etwas anderes als die Liebe eines Menschen ist die Liebe eines anderen Partners. Viel kleiner und sehr haarig. Meine kleine Katze Iria kann ich nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Seit wir sie in Griechenland adoptiert haben gehört sie zur Familie und bereichert meinen Alltag mit viel Kuscheln und Spielen. Jeden Morgen miaut sie vor der Tür und will schmusen und gestreichelt werden. Nach einer Einheit Katzenyoga will sie dann Frühstück und danach spielen. Es wird nie langweilig, wenn sie da ist.

Man mag sich fragen; Was hat die kleine Iria mit der Selbstwahrnehmung von Silvia zu tun?
Nun, die Katze gehört zu mir. Genauso beschreibt meine Vergangenheit mein Wesen und mein Umfeld beeinflusst mein Leben und meine Zukunft. All das macht mich aus und all das bin ich.
Das klingt alles so theatralisch, was ich hier so schreibe. Aber das ist mein Stil. Auch das bin ich.
Ich bekomme oft zu hören, ich steigere mich zu sehr in Kleinigkeiten hinein und mache ein Drama aus allem. Und ich bin sehr leicht zu reizen. Dann werde ich übertriebenerweise (für die Situation) schnell wütend, traurig oder sauer. Oder ähnliches. Aber ich habe schon bemerkt, dass das eher bei negativen Gefühlen passiert. Oftmals tun mir dann die Dinge leid, die ich sage oder tue. Das zu kontrollieren ist sehr schwer. Und ich kann mich glücklich schätzen, jemanden gefunden zu haben, der damit umgehen kann. Mein Freund ist zwar ein noch größerer Dickkopf als ich, und ab und zu krachen wir ordentlich aneinander, doch jede Umarmung, jeder Kuss und jedes Gefühl von Liebe machen diese bösen Worte wieder wett.

Kleine Anmerkung am Rande: Respekt, wenn du das alles gelesen hast. Ich kann einfach am Besten über mich selbst schreiben und das artet schnell aus und endet in elf Seiten dicht beschriebenem Papier, wie jetzt hier.
Ich habe nun alles gesagt. Meine kleine Reise ist beendet, die Stimmen in meinem Kopf haben nichts mehr zu melden. Mir fällt nichts mehr ein.
Ich war immer ein Mauerblümchen und immer sehr bedacht darauf, nicht aufzufallen. In Gesellschaft meiner Freunde blühe ich auf und werde zu einer jungen Frau voller Neugier und Hunger auf das Leben. Mit ihnen erlebe ich die schönsten Abenteuer.
Ich bin erfüllt von Liebe und verteile sie an alle, die mir begegnen.
Doch tief in mir weiß ich: Ich war es immer und werde immer ein Mauerblümchen sein. Aber wer weiß schon, wo die Mauer steht? Vielleicht habe ich einmal den schönsten Ausblick auf die Welt, wenn ich auf der chinesischen Mauer bin. Und wenn ich auf dem kleinen Mäuerchen hinter dem Haus bin, wird es auch eine wunderschöne Aussicht sein. Denn ich kann den kleinen Garten sehen, den Marillenbaum und die bunten Blumen vor dem Haus. Und ich kann meinen liebsten Schatz sehen, auf der Veranda. Er grillt und lächelt mir zu.

Die Zukunft hält mir alle Wege offen. Denn der Weg ist das Ziel. Und wenn das Ziel mein „selbst“ ist, dann ist der Weg die „Suche“. Und somit habe ich mich eigentlich schon gefunden.

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