gratitude column #3 family

Ich merke, wie ich mich über die letzten Jahre verändert habe. An meinen Tagebucheinträgen, an der Art, wie ich mich gebe und was ich sage. Was ich denke. In den kleinen Dingen merkt man die Veränderung.

Ich bin eines jener Mädchen, die früher wahnsinnig gerne „in“ und „cool“ und „angesagt“ sein wollte. Ein bisschen rebellisch, sich gegen die Eltern halten. Vielleicht unter der Woche fortgehen, sich mit dem gefälschten Ausweis in einen Club schmuggeln. Dort mit Jungs tanzen und Cocktails trinken. Sich stylish anziehen. Coole Freunde haben.

Ich war aber immer eine von der braven Sorte. Ich war selten aus, hing lieber in der Tanzschule ab und traf mich mit meinen Freundinnen am Nachmittag im Shoppingcenter, wo wir die hässlichsten Teile anprobierten und uns kaputtlachten. Ich hatte halbwegs gute Noten und habe (wenn man die letzten beiden Schuljahre nicht rechnet) nie geschwänzt.
Dennoch wollte ich immer wie die anderen aus der Klasse sein. Sie waren angesagt und cool und haben Dinge gemacht, die ein braves Mädchen nicht tut.

Ich war trotzdem nie so, obwohl ich es so gerne wollte. Ich war zu schüchtern, hatte Angst vor Ärger. Ich fühlte mich in den trendy Klamotten nicht wohl. Ich traute mich nicht, einen gefälschten Ausweis zu benutzen und verstand nicht, was an dem Geschmack von Alkohol so toll sein sollte.

Eine Sache jedoch unterschied mich zu 100 Prozent nicht von den angesagten Mädels. Ich gab nichts auf die Meinung meiner Eltern. Ich war bis spät in die Nacht wach und hab im Internet gesurft, bis mich mein Vater erwischte und mir den Laptop wegnahm. WLAN hatten wir damals nicht, wir hatten so ein Modem, was man an den PC anstecken musste. Also hab ich noch gelesen bis es 3 war und mir die Augen zu fielen.
Ich habe abgewartet, bis meine Eltern schliefen, um mich zum Fernseher zu schleichen und die nächtliche Wiederholung von Vamipre Diaries zu gucken.
Ich bin hinter dem Rücken meiner Eltern ins Kino gegangen. Als Ausrede erzählte ich, ich würde bei einer Freundin Mathe lernen. Nun, als ich die Schularbeit zurückbekam, schöpften sie Verdacht.
Nächtelange Telefonate mit meinen Freundinnen wurden unterbrochen von meiner Mutter, die sich aufregte, wieso ich denn um 2 noch nicht schlief. „Ich bin nicht müde“ – meine Dauerantwort auf alles. Wenn ich so in meinen alten Tagebüchern von 2010 blättere, bemerke ich bei genauerem Hinsehen eine erschreckend hohe Anzahl an „Die Mama hat mir schon wieder das Handy weggenommen, kann sie mich nicht mal in Ruhe lassen?“ Und „Schläft der Papa eigentlich nie? Aber gut, wenn er mir den Laptop wegnimmt, fall ich halt in Bio durch, weil ich die Testfragen nicht ausarbeiten kann. Physik-Referat kann ich mir dann auch eine Ausrede ausdenken, weil ich die Powerpoint-Präsentation nicht hab und die Mathe-Schularbeit kann ich gleich vergessen. Is mir ja wurscht.“ Alle paar Seiten sieht man den Satz „Das ist so gemein, das ist mein Leben, verstehen die das nicht?“, oder auch „Warum verstehen sie mich nicht?“
Tanzschul-Abende wurden verboten, doch ich hab mich hinausgeschlichen und hatte trotzdem meinen Spaß. Die Androhung, dass ich nicht mit auf Sprachreise fahren dürfe, weil ich fast die ganze Nacht durch an einem Referat saß, mit Kaffee und Laptop im Bett, habe ich ignoriert. Ich wollte nicht auf meine Eltern hören und machte hinter ihrem Rücken oft genau das Gegenteil von dem, was sie sagten.
Jeder von uns ist so. Manche mehr, manche weniger.

Klar habe ich heute auch noch Phasen, wo mich meine Eltern tierisch nerven, aber die sind selten und nach einem Gespräch ist alles wieder gut. Gegenüber vor vier Jahren, wo wir uns tagelang gestritten haben und ich danach eine Woche nicht mit meiner Mutter reden wollte und Pläne geschmiedet habe, wie ich ihr das Leben zur Hölle machen kann… Da merke ich, wie erwachsen ich heute doch im Gegensatz zu damals bin, wo ich geglaubt habe, ich wüsste alles und die Ansichten meiner Eltern seien doch einfach nur total antiquiert. Lustig, wenn ich so darüber nachdenke…
Ich will nicht sagen, dass ich heute, mit 20 Jahren, total reif und erwachsen bin.. Innerlich bin ich manchmal immer noch ein Kind. Aber das bin ich, das macht mich aus und ist ein Teil meiner Persönlichkeit.

Ich bin so dankbar für eine Familie wie meine. Die vielen Streits haben uns auf die Probe gestellt und wir sind daran gewachsen. Die harten Zeiten von damals, und auch die, die wir heute noch erleben, haben uns zusammengeschweißt.
Auch wenn meine Mutter manchmal sauer ist, weil ich mich nicht melde, sind wir doch wie beste Freundinnen. Wir gehen gemeinsam shoppen, ins Fitnesscenter und manchmal sitzen wir einfach eine Stunde mit Kaffee beisammen und reden über belanglosen Quatsch.
Dasselbe gilt für meinen Vater; Wenn ich ihn auch noch so verärgere, wir sind uns nie lange böse. Wir verbünden uns im Spaß gegen meine Mutter und ärgern sie, wenn sie uns Salat macht, wir aber am Liebsten Steak, Chips und Schokolade gleichzeitig essen wollen 😉
Und auch meinen Bruder, den ich manchmal am Liebsten auf den Mond schießen würde, habe ich trotz all seinen Macken lieb.

Mit meiner Familie kann ich über alles reden, und ich weiß, dass sie für mich da sind. Das ist das Schöne an Familie; Sie ist immer für einen da. Man darf sie nur nicht abstoßen.

gratitude column dark

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