gratitude column #7 a friend

Wir waren die besten Freundinnen. Mit 12 Jahren lernte ich dich kennen, ich kann mich noch an die Geschichte erinnern, die alle über uns erzählten.
Du warst neu in der Klasse und ich war schüchtern, deswegen sprach ich nicht oft mit dir. Du warst wohl auch schüchtern..
Nach Weihnachten stand der Skikurs unserer Klasse am Programm, auf den ich mich schon riesig gefreut hatte. Wir waren gerade dabei, unsere Zimmer einzuteilen; also wer mit wem und wer auf keinen Fall mit jemandem im Zimmer sein möchte. Einen ganzen Tag war das das große Thema. Jeder hatte spezielle Wünsche; E wollte unbedingt mit A ins Zimmer, A wiederum mit C, aber die nicht mit E. Keiner wollte in das große Zimmer mit acht Betten. Mit dem unsagbaren Talent meiner Freunde schafften wir es, dass natürlich wir in dieses Zimmer mussten. Ich weiß noch genau, wie einige Tage zuvor ein, zwei meiner Freundinnen, die teilweise auch deine waren, zu unserem Klassenvorstand sagten, „S und V? Gemeinsam in einem Zimmer? Nein, das geht gar nicht, die reißen sich gegenseitig die Haare aus! Sie können sich nicht leiden!“ Ich stand am Gang neben der Garderobe und sie im Turnsaal. Niemand wusste, dass ich gelauscht hatte. Ich dachte mir „Wer hat je gesagt, dass ich sie nicht mag? Oder mag sie mich etwa nicht?

Wir sind in der Geschichte jetzt wieder am Tag der Zimmereinteilung. Es war große Pause und fast alle aus der Klasse waren in der Aula oder sonst wo. Vielleicht waren fünf Leute im Raum, darunter du und ich. Erst wusste ich nicht was ich machen sollte. Ich wollte dich ansprechen, war aber nervös wegen dem was ich gehört hatte und meinem Schluss daraus, dass du micht wahrscheinlich nicht magst. „Sei kein Angsthase“ sagte ich mir. Ich bin zu dir gegangen.
„Hallo.“
„Hi.“
Peinliche Stille.
„Weißt du, dass C und N gestern der Prof P gesagt haben, dass wir uns nicht leiden können?“
Du sahst mich verwundert an. „Nein. Wir haben ja noch nie wirklich miteinander geredet. Das ist ein Blödsinn…“
„Ja stimmt. Ich glaube, du bist ganz nett.“
Dein Lächeln war ehrlich und aufrichtig. „Ja, ich glaube auch, dass du ganz cool bist.“

Am nächsten Tag haben wir wieder miteinander geredet und die Tage danach. Bald waren wir gemeinsam im Kino, wir waren bei dir und haben mit deinen Katzen gespielt und wir waren bei mir und haben gequatscht.

Wir haben so viel gemeinsam gemacht, angefangen bei Shopping, auf der Donauinsel herumgammeln, gemeinsam lernen, Referate schreiben, gegenseitig voneinander abschreiben. Wir waren gemeinsam in der Tanzschule und lernten zusammen snowboarden. Wir hatten eine Band und Tage damit verbracht, Songtexte zu schreiben und zu komponieren. Wir sind stundenlang bei mir im Keller gewesen und haben versucht, aus meinem Geklimper auf dem Klavier etwas zu machen. Es war nie langweilig. Ich weiß noch, wie wir uns gemeinsam den letzten Band von Twilight gekauft haben. Wir sind extra früh aufgestanden und waren schon bei der Buchhandlung, als sie noch gar nicht geöffnet hatte. Dann sind wir zu dir gefahren und haben einfach nur gelesen.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir uns in diesem Chatroom als 21 ausgegeben und sowas wie einen Kummerkasten betrieben haben? Die Leute haben uns so viele lustige und dämliche (und manchmal bestimmt erfundene) Geschichten erzählt. Wir sind gemeinsam vor dem Laptop gesessen und haben lachend versucht, den Leuten Tipps zu geben. Und dann später, als T mitgemacht hat. Ich glaube, sie fand uns am Anfang echt komisch, als wir ihr davon erzält haben.

Wir haben so viele Tage damit verbracht, einfach gemeinsam zu schreiben. Du an deinem Roman, ich an meinem. Dann gegenlesen, Tipps geben und Verbesserungsvorschläge. Ich weiß gar nicht; Hast du ihn zu Ende geschrieben? Oder hattest du zu viele andere Ideen? Meiner ist bald fertig, obwohl ich jetzt schon ein paar mal alles gestrichen und umgeplottet habe.
Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir gemeinsam Geister beschwören wollten und dann so wahnsinnig Angst hatten? Oder unsere vielen Kinonachmittage. Die waren wirklich toll und ich vermisse sie ein bisschen. Einfach den ganzen Nachmittag im Kino sein, sich von Eistee und Popcorn ernähren und natürlich Filme gucken.
Mit dir war meine Jugend etwas besonderes und wir hatten so viel Spaß gemeinsam.

Und jetzt? Du verschwindest langsam immer mehr aus meinem Leben und ich aus deinem. Ich weiß nicht genau wieso, aber wir haben uns so ewig lange nicht gesehen oder gehört… (ps ich werde dir nächste Woche mal eine SMS schreiben, ob wir uns nicht mal treffen wollen.)
Du warst meine erste beste Freundin und ich werde dich immer in meinem Herzen behalten. Vielleicht finden wieder einen Weg zueinander, denn wir haben uns bestimmt immer noch viel zu sagen. Gemeinsam lachen war nie schwer und wird es nie sein.
So eine Freundschaft hört nie ganz auf. Ich zähle dich immer noch zu meinen Freundinnen, denn ich weiß, dass ich mich immer noch auf dich verlassen kann. Wenn ich dich brauche, bist du da. Und ich hoffe, du weißt, dass ich auch immer für dich da bin.

gratitude column dark

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