Geburtstagsnachdenken

Wie die Zeit vergeht…. diesen Satz kenne ich eigentlich nur von Eltern oder Großeltern, die dann in Erinnerungen schwelgen, wo die Kinder noch ganz klein waren und mit dem Teddybären getanzt haben.
Aber jetzt – ich habe bald Geburtstag. Ich werde 21.

Einundzwanzig!

Ich kann mich noch genau an die Zeit erinnern um meinen 15. Geburtstag. Wie mein einziges Problem die nicht vorhandene Beziehung und die schlechter werdenden Noten waren. Freunde und Typen. Mehr hatte ich damals nicht im Kopf.
Und jetzt werde ich 21 und im Prinzip denke ich mir: Hat sich etwas verändert? Nein.
Ich fühle mich genau wie vorher. Seit ich 16 geworden bin, denke ich bei jedem Geburtstag, dass sich meine Welt verändern wird. Am Ausgeprägtesten war dieser Gedanke eh wie ich 15 war, kurz davor, 16 zu werden. Ich dachte, das wäre dann der
Wendepunkt meines Lebens.

Aber ich bin aufgewacht und war nach wie vor ein Mauerblümchen.

Dann wurde ich 17, dann 18.
Immer noch unscheinbar.
Kurz nach meiner Volljährigkeit kam dann doch etwas Action in mein Leben, erster Freund, späte pubertäre Entwicklungen und Gefühlschaos. Dann fand ich meinen Liebling, obwohl ich gar nicht nach ihm gesucht hatte. Wir haben uns einfach gefunden und jetzt ist er mein sprichwörtliches Rettungsboot.

Dann wurde ich 19, 20… und ich fühlte mich genauso wie immer.
Und jetzt 21. Vielleicht ist es ja bei diesem Geburtstag so, dass sich alles ändert.. Wahrscheinlich nicht.
Aber die Hoffnung habe ich nie aufgegeben. Werde ich nicht.
Wenn ich so darüber nachdenke, waren die Gedanken und Hoffnung auf Veränderung mit dem Aufwachen in einem neuen Lebensjahr immer sehr ähnlich. Jedes Mal wollte ich:

Cool sein.
Dazugehören.
Gesünder leben.
Gut in der Schule sein.
Einen Job.
Einen Freund.

(Gut, den letzten Punkt konnte ich ab dem 19. Geburtstag streichen. Und den vorletzten jetzt eigentlich auch. Aber den Rest nicht.)

Ihr kennt das bestimmt; man nimmt sich unterbewusst einige Dinge vor, die man ändern möchte. So wie über Neujahr. Und dann geht nichts davon in Erfüllung. Oder fast nichts. Dann ist man so deprimiert, weil in den ersten paar Wochen nach der erhofften Lebenswendung nichts passiert, und gibt auf.
Ich weiß noch, wie ich jeden Geburtstag begonnen habe, Tagebuch zu schreiben. Und nach dem einen Eintrag war dann auch wieder Schluss. Ich hatte nichts, worüber ich schreiben könnte. Ich wollte auch nicht die Zeit aufwenden, die ich lieber mit Freunden verbrachte. Wir waren in der Tanzschule, im Shoppingcenter oder haben Schule geschwänzt. Jede Freistunde beim McDonalds, manchmal auch, wenn die ersten Stunden zu langweilig erschienen. Homeparties, von denen nur noch verschwommene Fotos und einige durcheinander geratene Erinnerungen existieren. Von meinen 2 Lieblingsfreundinnen damals, M & V, wie wir mit Sekt, Radler und Eristoff Red in der Küche gesessen sind, halb drei morgens, und geredet haben. Über die Schule, blöde Lehrer, blöde Freunde, skandalöse Promis, Krisen im Freundeskreis, Beziehungen und noch viel mehr. Wir sind im Baumhaus rumgehangen und haben versucht, zu rauchen.
Ich weiß noch, wie M mich einmal hochgepusht hatte, nachdem der Typ, in den ich damals verknallt war, mich zurückwies. Sie sagte mir, ich würde irgendwann den besten Traumprinzen der Welt finden.
Ich erinnere mich an kalte Pizza zum Frühstück.
Und an stundenlange Telefonate, mitten in der Nacht. Wir hatten uns eigentlich gar nicht viel zu sagen, aber auflegen wollte auch keiner.

Und dann kam doch – und wirklich unerwartet – eine Veränderung. Etwas, das es wert war, in ein Tagebuch geschrieben zu werden. Etwa eine Woche nach meinem 18. Geburtstag. Und dann drei Wochen später nochmal. Und immer weiter. Ich hatte plötzlich einen Freund, bin bei der Matura durchgefallen, war auf einem Festival, habe mich getrennt von dieser Beziehung, die jetzt schon so weit von mir entfernt ist. Eine bestimmte Sache hat mir den Ausschlag dazu gegeben, aber davon weiß fast keiner. Nicht mal mein damaliger Freund. Und bevor ich es ansprechen konnte, saß ich schon heulend vor seiner Tür. M hat mir damals geholfen. Und das Leben ging weiter. Ich habe mich verliebt. Wir waren Eis essen und im Kino und gemeinsam shoppen und du ich ließ mich ablenken von dem, was war. M<3 – dafür bin ich dir noch heute dankbar. Das Chaos setzte sich fort – Matura wiederholt & bestanden. Uni. 2x den Studiengang abgebrochen. Aufnahmetests gemacht und gelernt und nicht angenommen worden.

Und plötzlich: gähnende Leere.
Was soll ich tun? Ich habe keine Aussichten auf einen Beruf, einen Job oder eine Ausbildung! Ich bin NICHTS. Lange Zeit kämpfte ich mit mir. Eine Klage gegen einen Ex-Chef und sogar „keine Krankenversicherung haben“ sind Dinge, mit denen ich mich nun auskenne. Aber dann: Wie immer, als ich kurz vor dem Aufgeben war: Eine Chance. Und ich habe sie ergriffen und seit ein paar Tagen – an meinem ersten Schultag – hat es dann wieder eine Veränderung in meinem Leben gegeben.

Was will ich euch damit sagen? Ihr kennt meine Geschichte, ich habe sie euch schon oft erzählt, immer stückchenweise.
Die Botschaft ist: Veränderung kommt. Und zwar dann, wenn man dafür bereit ist. Und sie wird euch trotzdem umhauen.
Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen und man darf nie das Ziel vor den Augen verlieren.
Und ich komme meinem Ziel näher. Ich habe gelernt, dass man nicht bei anderen als cool gelten muss, um cool zu sein. Ich mag mich und das ist „cool“. (Dieser Begriff ist doch schon so alt oder?) Ich habe einen Ausbildungsplatz und jemanden an meiner Seite, der mich unterstützt.

Heißt das, jetzt habe ich es geschafft? Nein. Man kann die Dinge so leicht wieder verlieren. Es wird sich wieder etwas verändern, entweder, weil ich es so will, oder (und das ist wahrscheinlich eher der Fall) weil es das Leben so will.

Wie wird es in 5 Jahren sein? Werde ich dann immer noch die selben Vorstellungen, Wünsche und Ideale haben?

In 5 Jahren bin ich 25, werde bald 26. Dann werde ich meine Ausbildung zur Kindergartenpädagogin abgeschlossen haben und in diesem Beruf arbeiten. Ich erhoffe mir sehr viel davon und möchte in einem Beruf arbeiten, der mich glücklich macht. Wo ich jeden Morgen aufwache und mich auf den Tag freue und nicht schon vor dem ersten Kaffee miese Laune schiebe, weil ich keine Lust auf meinen Job habe.
Ich stelle mir vor, dass ich gemeinsam mit M<3 ein Leben führe, wir wohnen zusammen und teilen denselben Plan. Einen Plan für unsere Zukunft. Vielleicht Kinder. Ich hätte gerne welche, am liebsten 2 – erst einen Jungen und danach ein Mädchen.
Ich würde gerne einmal heiraten. Ich habe da schon genau alles durchgeplant, weiß wie mein Kleid aussehen soll, was ich zum essen haben möchte, wie die Einladungen designt sind, die Deko, farblich abgestimmt auf die Kleider der Brautjungfern… Ein Walzer, ein Kuss. „Ja“. Davon träumt wohl fast jedes Mädchen.

Aber wird es so kommen? Ich kann es nicht sagen. Ich kann nur darauf hinarbeiten.

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