Kaffeehausgedanken

Manchmal ist das mit der Motivation so eine Sache. Es gibt Tage, da spürt man Funken sprühen und will alles tun, sehen, erleben. Und dann gibt es Tage, die einfach nicht funktionieren. Da beginnt es schon falsch, wenn der Wecker klingelt, man sich umdreht und in die erwartungsvollen Augen der Katze blickt. Seufzen, snooze, kurz streicheln, umdrehen, weiterschlafen. Griesgrämig liegt man da, ist müde und will nicht aufstehen. Man weiß aber, dass man nicht liegen bleiben kann. Und zu allem Überfluss schläft man nicht mehr ein und muss dann wirklich aufstehen. Gequält sieht man sich beim Zähne putzen im Spiegel an. Der Kissenabdruck im Gesicht und die Tatsache, dass die Mascarareste von gestern einen aussehen lassen wie einen Zombie machen nicht besser, wie man sich fühlt.
Die Katze sitzt auf dem Klodeckel und sieht bei dem vergeblichen Versuch zu, die Haare nur irgendwie nach frisch und gekämmt aussehen zu lassen. Bis man irgendwann nachgibt und in die Küche geht. Mit der neu aufkeimenden Hoffnung auf frischen, heißen Kaffee stolpert man beinahe über die eigenen Füße und fragt sich dann, was man bei dem heutigen grauen Regenwetter wohl am Besten anzieht. Pyjamas und Kuschelsocken und wieder ab ins Bett wäre wünschenswert, leider aber sehr realitätsfern. Nicht so der Kaffee. Zumindest stellt man sich den so vor, denn als man dann nun auf den ON Knopf besagten Geräts drückt – passiert nichts.
Der Tag ist kaum eine Stunde alt und schon wünscht man sich nichts sehnlicher, als sich irgendwo zu verkriechen. Dass die Kaffeemaschine streikt und dann auch noch kein Jogurt mehr zu Hause ist bringt dass Fass zum Überlaufen. Wütend stapft man die Treppen wieder hoch, zieht sich den kuscheligsten Pullover über, den man finden kann und schnappt sich die Schultasche. Dann muss wohl ein 4€ Latte vom Bäcker herhalten, den man eigentlich viel zu teuer und gar nicht so gut findet, der heute aber notwendig erscheint. Vor dem Gehen noch kurz die Katze streicheln – miauen – und auf zum Auto.
Natürlich springt es nicht an, wie soll es auch anders sein? Man denkt nur an das schöne Gefühl, das man sich zu spüren erhofft, wenn man am Abend endlich ins Bett fallen kann. Bloß den Tag überstehen.
Man dreht den Schlüssel nochmal und nochmal in der Zündung und irgendwann springt er an. Auf der Autobahn wird es besser. Das Lieblingslied kommt im Radio und entlockt einem sogar ein Lächeln. Auch an blöden Tagen gibt es manch guten Moment.
Auf die lange Parkplatzsuche hat man sich innerlich schon eingestellt, ebenso wie auf die lange Schlange beim Bäcker. Doch als man dann endlich den heiß ersehnten laktosefreien Latte in den Fingern hält und auf die Freunde trifft, die vor der Schule noch ein Pläuschchen halten, erscheint alles nur mehr halb so wild.
Sushi in der Mittagspause hebt die Stimmung dann endgültig aus ihrem tiefen Loch und man spürt die Motivation zurückkehren. Der Didaktik-Unterricht am Nachmittag macht sogar ein bisschen Spaß. Mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedet man sich am frühen Abend von den Klassenkollegen und macht sich auf den Weg, den Schatz zu treffen. Nach einem kurzen Telefonat ist das kleine Café in der Nähe seiner Arbeit als Treffpunkt ausgemacht.
Und nun sitzt man hier – wieder bei einem Caffé Latte, dazu zwei rosa Macarons – und wartet noch kurz, bis seine Teambesprechung zu Ende ist. Und man denkt über den Tag nach und merkt: So schlimm war es gar nicht.

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